Warum war Indien ein faszinierender Ort für deutsche Dichter, Philologen, Philosophen, aber auch Regisseure? Wie wurde Indien von deutschsprachigen Autoren imaginiert? Ist die Darstellung Indiens in der deutschsprachigen Literatur und Philosophie und im deutschen Film ein Teil des gesamteuropäischen orientalistischen Diskurses? Oder kann man in der deutschen Auseinandersetzung mit Indien die Spuren einer einmaligen Erzähltradition sehen, einer Tradition, die sich im Vergleich zu den britischen oder französischen Erzählungen über den Orient völlig anders auswirkt? Diese und andere Fragen stellen wir in dem Seminar “Vertauschte Zeichen: Deutschsprachige Literatur, Philosophie und Film imaginieren Indien.” In der ersten Hälfte des Seminars werden wir den Reiz der Religionen (Hinduismus, Islam und Buddhismus) und der alt-indischen Philosophie und Geschichte für deutsche Schriftsteller und Denker erörtern. Zu diesem Zweck lesen wir Werke von J.G. Herder, Karoline von Günderrode, F. Schlegel, G.W.F. Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Thomas Mann und Hermann Hesse. Danach werden wir “mit Karl Marx und Lion Feuchtwanger” das deutsche intellektuelle Engagement mit dem britischen Kolonialismus in Indien behandeln. Unsere Dikussion wird in den indischen Abenteuerfilmen von Fritz Lang ihre Erweiterung finden. Der Kurs endet mit einer Debatte über einen postkolonialen Blick auf das unabhängige Indien durch die Werke von Ingeborg Drewitz, Hubert Fichte und Günter Grass. Das Seminar wird den TeilnehmerInnen die Möglichkeit bieten, Indien als ein spezifisches Fallbeispiel der deutschen Imagination des Fremden zu verstehen. Da alle Primärtexte im Zusammenhang mit zeitgenössischen kritischen Beiträgen aus der postkolonialen Theorie besprochen werden, wird der Kurs das Fachgebiet German Studies in ein Gespräch mit postkolonialer Theorie setzen.